In 20 Jahren wirst Du dich mehr ärgern über die Dinge, die du nicht getan hast, als über die, die du getan hast. Also wirf die Leinen und segle fort aus deinem sicheren Hafen. Fange den Wind in deinen Segeln. Forsche-Träume-Entdecke - Mark Twain

Das sind wir...

Das sind wir...

Freitag, 14. Dezember 2012

Kep...ehemaliges Seebad der Franzosen

Kambodscha ist mehrheitlich flach und hat eine
schöne Landschaft zu bieten
Da der VIP Bus seinen Betrieb Richtung Süden eingestellt hat, haben wir uns entschieden einen Fahrer mit Wagen zu mieten und so den Weg zum Ziel zu machen. Wir wurden also pünktlich abgeholt. Je weiter wir uns von Phnom Penh entfernten desto reizhafter wurde die Landschaft. Weite Flächen mit grünen Reisfeldern und Palmen wechselten sich ab mit Karststeinlandschaften. Wir waren begeistert und kamen so richtig ins Schwärmen. Unterwegs machten wir halt beim Phnom Chisor, dies ist ein Tempel der sich auf einem Hügel befindet, von wo man eine unglaubliche Aussicht hat. Wir waren die einzigen Touristen dort. Je weiter man sich von den touristischen Trampelpfaden, entfernt desto beschaulicher wird das Land. Nach dem Tempelbesuch genossen wir ein ausgiebiges Mittagessen in einem Fischerlokal in der Provinzhauptstadt Takeo. Dieses wurde uns von einem Fischer gezeigt der uns bei unserer Ankunft in Empfang genommen hat. Wir assen ein Kilo Lobbster für 35 Dollar. Das Restaurant war mehr als einfach und stand auf Stelzen.
Fischerinnen auf dem Krabbenmarkt
Erst staunten wir über dessen Grösse, mussten jedoch feststellen, dass es sich vermutlich um einen Geheimtipp handelt, da kurz nach uns auch eine deutsche und chinesische Reisegruppe eintrafen. Wir haben hervorragend gegessen und uns köstlich über die Gesichter der deutschen Damen beim Betreten der kambodschanischen Hocktoilette amüsiert.Tja man darf dann halt doch nicht vergessen wo man unterwegs ist. Vorallem nicht wenn man aus dem relativ gut entwickelten Phnom Pemh kommt. Je weiter wir fuhren desto ärmlicher wurden die Landschaften. In Kep angekommen wurden wir von unserem Gastgeber David einem Belgier begrüsst. Wir wohnten in einem kleinen und mega schönen Resort, welches einen bunten Garten mit einem Swimmingpool im Zentrum hat. Den ersten Tag verbrachten wir am Pool mit Nichtstun.
 Gegen Abend mieteten wir uns dann ein Motorrad und machten uns auf dem Weg zum bekannten Krabbenmarkt. Wir hatten zwar keine Ahnung was uns hier erwarten würde aber man muss doch alles ausprobiert habe;-) Der Krabbenmarkt besteht aus vielen kleinen Fischerrestaurants die Krabbenmenüs in den verschiedensten Varianten anbieten. Wir gingen in das Restaurant, welches uns von der Staff in unserem Resort empfohlen wurde und erhielten eine umfangreiche Karte die einem Buch ähnlich war. Natürlich hatten wir keine Ahnung was wir bestellen sollten. Rundherum wurden Platten mit riesigen Haufen Essbarem angeschleppt. Wir sahen Schalentiere in allen Formen und Grössen. Mit grossen und kleinen Scherren, mit und ohne Augen, von rot über weiss bis schwarz. Hier war sogar Chöge als Seafoodspezialist überfordert. Also gaben wir unsere Bestellung aufs Geratewohl auf und hofften, dieses ohne spezial Werkzeug essen zu können. Wir hatten Glück und konnten unsere Krabben mit normalem Besteck essen. Sofort machten wir uns einen Spass daraus den anderen Ausländer zuzusehen, wie sie sich mit kleinen Sägen, Scheren und Nussknackern durch ihre Haufem kämpften, was doch einen gewissen Unterhaltungswert bot…. ja ja, die liebe Schadenfreude :-)
im Krabbenrestaurant
Da wir schon mal ein Motorrad hatten, beschlossen wir am nächsten Tag eine Fahrt durch die Gegend zu machen, mit dem Plan uns das Leben der Landbevölkerung anzusehen. Wir wurden mit einfachem Kartenmaterial ausgerüstet und los gings. Unser eigentliches Ziel der Ankoulbeach war auch nach dreistündigem Herumgekurve nicht zu finden, da auf dem Land absolut nichts angeschrieben ist. Dazu kommt, dass das ganze Land nach wie vor vermint ist und den Touristen eindringlich empfohlen wird, sich nicht von den Hauptwegen zu entfernen. Trotzdem haben wir wiederum eine vielseitige Landschaften gesehen, sowie eine hartarbeitende Bevölkerung, die uns eifrig und freundlich zuwinkte. Wie meistens in solchen Gegenden bekamen wir auch wieder logistische Höchstleistungen zu sehen. Es ist unglaublich, was, wie, wohin transportiert wird. Wir haben noch nie solche schrägen Transporte gesehen wie hier in Kambodscha. Oft setzen wir uns einfach irgendwo in ein Strassenrestaurant und los geht’s mit der Schau. Auch dies ist eine Nebenerscheinung der Armut. Wenn einem keine vernünftigen Transportmittel zur Verfügung stehen muss man sich halt sonst irgendwie zu helfen wissen. Sara die Frau von David, ist ein Kind aus einer der ganz armen Familien. Sie hat neun Geschwister und kam mit drei Jahren in einem Kinderhilfsprojekt unter. Dort blieb sie bis 23 Jahre, erhielt medizinische Betreuung, gesundes Essen, Kleider und eine Schulbildung. Heute ist sie im Besitz eines Masters in Rechtswissenschaft und spricht neben Khmer perfekt Englisch und Französisch. Dies war möglich, weil sie von klein auf von einem französischen Ehepaar gefördert wurde. Denen hat sie nun ein Stück Land gekauft, worauf diese nun ihren Altersitz bauen
badende Wasserbüffel
 werden. Ich war erstaunt, wie offen sie über ihre Geschichte spricht. Sie ist seit einem Jahr Mutter und steckt im selben Dilemma wie viele junge Frauen mit einer guten Ausbildung. Eigentlich möchte sie für die NGO Teilzeit weiterarbeiten, dies stösst jedoch bei ihrem Mann nicht gerade auf Begeisterung, da der Weg nach Phnom Penh weit ist und sie dort übernachten müsste. Nun sitzt sie in ihrem Resort fest und fühlt sich einsam, weil es in Kep scheinbar niemand gibt, der sie versteht. Die meisten sehen das arme Mädchen, das nun im Paradies lebt, mit einem „reichen“ Ausländer verheiratet ist und können nicht verstehen, dass sie unzufrieden ist weil ihre Arbeit für sie auch wichtig war. Unglaublich dass man sogar in einem Drittweltland auf solche Probleme stösst, scheinbar macht die Emanzipation auch hiervor keinen Halt…. Ich fand die Gespräche mit Sara jedenfalls hoch interessant.

Phnom Penh... die Hauptstadt

Markt in Phnom Penh
Phnom Penh die Hauptstadt von Kambodscha liegt eine Flugstunde westlich von Bangkok in Richtung vietnamesischer Grenze. Wir hatten kein Visa und mussten dieses on arrival zusammen mit 150 anderen Passagieren aus unserem Flugzeug besorgen. Hier wurde mir klar warum das e-Visa in den Traveller Foren so empfohlen wird. Wir stellten uns also brav in die Reihe und warteten. Die Warterei gestaltete sich unerwartet unterhaltsam. Die Pässe wurden dem ersten Beamten abgegeben und dann an weitere acht weitergereicht. Jeder fummelte irgendetwas an den Dokumenten herum und wenn es nur das das Betrachten der Fotos war. Es kam sogar vor, dass die Beamten sich halb krumm lachten, weil sie die Fotos so lustig fanden und der Gipfel erreichte das Prozedere, als sie zu raten begannen zu welchem der Foreigner das zur Heiterkeit führende Foto wohl gehört. Wir hatten auf jeden Fall mega Spass daran und sofort ein gutes Gefühl was das neue Reiseland anbelangt. Wenn schon die offiziellen Formalitäten so easy gehandhabt werden, kann ja der Rest auch nicht allzu verbissen sein. Auch die Zollformalitäten
Insekten sind auch in Kombodsche
eine heissbegehrte Delikatesse
dauerten für uns länger, da der Beamte unsere bereits benutzten Visas sehr interessant fand und sich die Zeit nahm jedes einzelne ausgiebig zu studieren.
Endlich zum Flughafen raus, wurden wir vom Pick up Service unseres Guesthouse in Empfang genommen. Auf dem Weg zu unserem Guesthouse landeten wir mitten in der abendlichen Rushour und bekammen so einen ersten Eindruck von der Stadt. Ähnlich wie in Vietnam wimmelte es hier von Motorbikes und es scheint keine Verkehrsregeln zu geben. Zudem ist die Stadt extrem staubig, was einem auf den ersten Blick einen sehr schmutzigen Eindruck vermittelt. Aufgrund der vielen Motorbikes ist auch die Geräuschkulisse wahnsinnig laut und die Luft nicht gerade das was man als gesund bezeichnen kann. Die ersten Eindrücke lösten in uns gemischte Gefühle aus und wir waren uns nicht so schlüssig was wir von dem ganzen halten sollen. Zum Glück war das gebuchte Guesthouse in der Nähe des Flusses, wo es offensichtlich ein wenig ruhiger zu und her ging. Wir stellten unser Gepäck ins Zimmer und machten uns sofort auf die Socken um die nähere Umgebung zu erkundigen. Es war 18:00 Uhr jedoch bereits dunkel und wir wurden unvorbereitet mit der Armut in den Strassen von Phnom Penh konfrontiert. Wir sahen ganze Familien die sich von dem Abfall auf den Strassen ernähren, die Kinder werden
freche Affen bei einem Tempel
 bis spät in die Nacht zum Sammeln von Blechbüchsen und zum Betteln geschickt, statt das sie zur Schule gehen und sind so dreckig, dass man sie vermutlich erstmals länger einweichen müsste, falls man sie sauber kriegen wollte. Überall wird gekocht und gebraten, so dass uns die seltsamsten Gerüche in die Nase stiegen. Die meisten waren uns eher unangenehm. Wir waren erstmals ziemlich überfordert von den ganzen Eindrücken und flüchteten uns in eine Bar um das ganze wirken zu lassen. Von hier aus betrachteten wir das Treiben weiter und langsam aber sicher entwickelte sich der Sinn fürs Detail. Zum Beispiel hat kein einziges der Kinder einen typischen Hungerbauch. Wir beobachteten sogar, wie zwei bettelnde Kinder Esswaren die sie erhalten hatten in die Mülltonne schmissen. Trotzdem gingen wir mit sehr gemischten Gefühlen zu Bett. Für den nächsten Tag hatten wir eine ausführliche Sightseeing Tour zu den wenigen Sehenswürdigkeiten von Phnom Penh geplant. Wir machten uns zu Fuss auf den Weg um uns die bekanntesten Tempel und alten Kolonialgebäuden anzusehen. Leider war die Hauptattraktion das Grand Palace aufgrund des Todes des ehemaligen Königs geschlossen. Auf unseren Streifzügen durch die Stadt ist uns aufgefallen, das die bekannten Hilfsorganisationen alle in grossen und modernen Gebäuden untergebracht sind und über Fuhrparks verfügen in denen zig Lexus, fette Audis
Mönche auf dem morgentlichen Almosengamg
 etc herum stehen. Das Business mit der Armut scheint also voll und ganz zu rentieren und wir konnten mit eigenen Augen sehen, warum zum Teil 40 % der Spendengelder als Verwaltungsaufwand verbucht werden. Ich habe volles Verständnis dafür, dass diese Organisationen gute und geländetüchtige Fahrzeuge brauchen, warum es jedoch gerade die Luxusklasse sein muss, ist für mich nicht nachvollziehbar. Die vielen NGOs vorort haben jedoch auch einen angenehmen Nebeneffekt. Überall gibt es kleine stilvolle Restaurants, die entweder von Expats aus der ganzen Welt oder von den Organisationen selber in Form von Ausbildungsstätten für Strassenkinder betrieben werden. Wir haben in Asien selten so vielseitig und kulinarisch hochstehend gegessen wie hier in Phnom Penh und das will was heissen, da die asiatische Küche generell sehr schmackhaft ist. Am zweiten Tag haben wir uns mit Kambodschas tragischer Vergangenheit auseinander gesetzt. Für uns war dies in zweierlei Hinsicht ein harter Tag. Erstmals hat uns der Betreiber des Guesthouses verarscht. Der hat nämlich den bestellten Wagen kurzerhand an fünf andere Gäste vermietet und uns erzählt er müsse für das Gouverment einen Transport ausführen und stehe daher nicht zur Verfügung. Man hat uns dann netterweise ein Tuk Tuk
auch hier sind wieder unglaubliche
Logistiker am Werk
 organisiert. Zum Glück haben uns Andrea und Mike vorgewarnt wie staubig so eine Fahrt werden kann und wir sind uns sicherheitshalber noch Masken kaufen gegangen. Im Affentempo ging es zur Stadt raus. Die meisten Strassen befinden sich noch im Bau, daher schüttelte es das Tuk Tuk hin und her und wir klammerten uns so gut es ging fest. Dank der Staubmasken war das ganze einigermassen erträglich und der Vorteil war, dass wir uns auf diese Art mitten drin im kambodschanischen Alltag befanden. Überall winkten uns Kinder zu oder die Erwachsenen grinsten uns an und hatten sichtlich Spass daran wie wir uns bemühten die Fahrt einigermassen erträglich zu gestalten. Ich denke auf dieser Fahrt haben wir uns definitiv auf das Land eingelassen auch wenn der Anlass der dazuführte mehr als tragisch ist. In Choeung Ek (auch Killing Fields genannt) angekommen, erhielten wir Kopfhörer über welche die tragische Geschichte in zahlreichen Sprachen zu hören ist. Beim Eingang steht eine Stupa in der auf sieben Etagen 9000 Schädel zum Gedenken an die hier auf barbarischste weise ermordeten Menschen erinnert. Wir wurden per Audioguide über den Ort des Geschehens geführt und erhielten einen Eindruck wo und wie die Gefangenen von Tuol Sleng, hingerichtet wurden. Nach Ende des Rundgangs stand allen Besucher ihre tiefste Betroffenheit ins Gesicht geschrieben. Es ist einfach unglaublich was hier geschehen ist und diese Stätte ist nur eine von mehreren in Kambodscha, die von den roten Khmer für ihre Massenmorde missbraucht wurden. Sie haben während drei Jahren einen Drittel des kambodschanischen Volkes auf barbarischste Weise abgeschlachtet und der Rest der Welt soll
unterwegs im Tuk Tuk
 davon nichts mitbekommen haben. Man begründet dies damit, dass Pol Pot auch sämtliche Journalisten hinrichten liess. So wurden auch Spuren von mind 6 westlichen Personen gefunden. Ich bin mir jedoch nicht ganz sicher ob dies nicht einfach eine Ausrede dafür ist, dass es in dem Land keine Bodenschätze gibt und es daher für den Westen nicht interessant war sich einzumischen. Wie auch immer, es war und bleibt eine Schande dass so was passiert. Auch heute noch…. Auf dem Rückweg besuchten wir dann auch noch Tuol Sleng, das Völkermordmuseum. In diesen Gebäuden wurden die Gefangenen erstmals monatelang festgehalten, gefoltert und gequält bevor man sie dann zur Hinrichtung nach Choeung Ek brachte. Heute stehen die Räume zur Besichtigung offen und es werden Foltermethoden, die dazu benötigten Werkzeuge sowie Fotos der Betroffenen gezeigt. Für mich war dies dann doch zu viel und ich musste den Ort möglichst schnell verlassen. Auf dem Rückweg wurden wir dann laut hupend vom Besitzer des Guesthouse überholt. Die fünf Touristen winkten uns freudig zu und amüsierten sich, über unser Aussehen und wie wir uns krampfhaft festklammerten. Dafür haben wir nur einen Bruchteil von dem Preis bezahlt, den sie hinblättern mussten und die Fahrt war ein Erlebnis für sich. Wie auch immer, so funktioniert Asien halt ;-))



Dienstag, 20. November 2012

Auf ein Neues…. Kambodscha wir kommen!

Es geht halt doch nicht ohne Asien… daher machen wir uns am 1. Dezember nochmals auf die Socken. Wir fliegen von Mailand  via Bangkok nach Phnom Penh in die Hauptstadt des Königreichs Kambodscha. Von dort aus werden wir uns den Süden mit dem ehemaligen Seebad Kep und dem Touristenmagnet Sihanoukville ansehen. Danach geht es weiter in den Nordwesten. Dort stehen die schwimmenden Dörfer rund um den Tonle Sap und Siem Reap mit der Tempelstadt Angkor Wat auf dem Programm.

Kambodscha gehört zu den 10 ärmsten Ländern der Welt. Zudem hat es eine tragische Vergangenheit. Mitte der 70er Jahre hatte ein Wahnsinniger mit dem Namen Pol Pot die Vision, einen souveränen und von jeglichen Fremdmächten unabhängigen Staat zu gründen. Die daraus resultierende Schreckensherrschaft kostete mehr als zwei Millionen Menschen das Leben und versetzte das einst reiche und hochzivilisierte Land zurück in die Steinzeit.
Neben Mönchen, Händlern, Akademikern und Oppositionellen wurden auch hunderttausende einfacher Arbeiter, Frauen und Kinder “eliminiert” – so reichte es manchmal nur eine Brille zu tragen, um als Feind der Revolution zu gelten. Dementsprechend fehlt dem Land eine ganze Generation inkl. dem für eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung nötigen Know How. Zurzeit sind 50 % der Bevölkerung weniger als 20 Jahre alt. Wir sind also gespannt was wir in dem so arg gebeutelten Land alles sehen und erleben werden….

Nach drei Wochen Rundreise geht es dann zurück nach Bangkok. Dort treffen wir uns mit Wyss Tom und Chantal. Zusammen werden wir drei Tage lang die Stadt unsicher machen, bevor sich unsere Wege wieder trennen. Chöge zieht es zurück in die Schweiz, Wyss Tom mit seiner Perle zu deren Familie, Chantal und mich zum Relaxen auf die Insel Ko Chang.

Auf bald… viel Spass beim Lesen unserer neusten Erlebnissen ;-))

Dienstag, 26. Juni 2012

Havanna.... Kubas stressige Hauptstadt

Mittlerweile befinden wir uns in Havanna… langsam aber sicher geht es dem Ende unserer Ferien entgegen. Ehrlich gesagt bin ich nicht unglücklich darüber, da die Hauptstadt extrem anstrengend ist. Wir haben volle zwei Tage gebraucht bis wir einigermassen damit klar gekommen sind. Hier ist es heiss, es stinkt, die Jineteros und auch die Bettler sind unerträglich aufdringlich und die Infrastruktur ist dermassen baufällig, dass man nie weiss wenn einem irgendetwas auf den Kopf fällt.
in dieser Strasse haben wir gewohnt
Wir haben mit dem Bus eine Stadtrundfahrt gemacht und sind wirklich beeindruckt von den ganzen geschichtsträchtigen Gebäuden und Plätzen. Unser Favorit ist das Hotel Nacional, in dem sich in den 50er Jahren sämtliche Mafiosos die etwas auf sich hielten, die Türe in die Hand gegeben haben. Von dort hat man einen wunderbaren Blick aufs Meer und über den bekannten Molecon, Havannas Spazierpromenade am Meer.
Nachdem ersten Tag in der Stadt waren wir dermassen k.o., dass wir uns entschieden haben den zweiten an der Playa del Este, dem Hausstrand von Havanna, zu verbringen.
Coco Taxi; Havannas Transportmittel
Wir waren richtig überrascht auch hier einen schönen Karibikstrand, mit fast keinen Leuten vorzufinden. Leider wurden wir auch hier von einer jungen Jinetera belästigt. Zuerst war es noch ganz lustig als sie sich zu uns setzte um mit uns Yazzee zu spielen, obwohl sie schon ziemlich einen sitzen hatte. Sie sprach nur spanisch, was für uns einmal mehr eine gute Übung war. Irgendwann fing sie dann an, uns zu bedrängen mit ihr in den Ausgang zu kommen. Wir versuchten uns rauszureden so gut es ging und ihr irgendwie klar zu machen, dass wir noch ein wenig unsere Ruhe haben wollten. Leider ohne grossen Erfolg, bis wir uns schlussendlich  entnervt auf den Heimweg machten.
Trotz dieses Erlebnisses kamen wir dann doch ziemlich relaxt in die Stadt zurück und fanden alles gar nicht mehr so schlimm. Nach einem währschaften Abendessen in unserem Casa, machten wir uns sogar auf die Socken um Havannas Nightlife kennen zu lernen. Eigentlich hatten wir vor ins Casa de la Musica zu fahren, nachdem uns andere Reisende jedoch erzählten, dass dieses hier in Havanna, vor allem ein Treffpunkt für Prostituierte und alte schwitzende männliche Touristen sei und uns unsere Strandbekanntschaft auch unbedingt dorthin schleppen wollte, liessen wir es bleiben und machten es uns in einer Bar gegenüber des Parque Centrals gemütlich. Wir tranken Rum, hörten der Musik zu und wurden ununterbrochen von Bettlern angequatscht. Es war wirklich zum …. Irgendwann kam mir in den Sinn, das die Hotels ja auch Dachterrassen haben. Wir also hoch aufs Dach, dort spielte ebenfalls eine Band und wir hatten endlich unsere Ruhe. Es war eine Oase in der stressigen Stadt.
Das Capitol, die touristische Seite Havannas
Uns wurde klar, dass wir mit Höflichkeit nicht weit kommen würden. Ab sofort knurrte Chöge jeden an, der versuchte uns anzusprechen. Ein paar Mal konnte ich das Lachen kaum zurückhalten. Es war zu komisch wenn der „kleine Kohler“ den grossen schwarzen Mann so böse angeschaut hat, dass dieser sich ohne ein Wort zu sagen von uns abgewendet hat. Jedenfalls wurden wir von da an in Ruhe gelassen. Schade, dass es nur auf die harte Tour funktioniert hat und kaum zu glauben, aber wir haben uns bis zum Schluss dann doch noch mit der Stadt anfreunden können. As wir uns endlich in Ruhe auf die Suche nach dem viel gerühmten  Glanz vergangener Tage machen konnten, haben wir diesen dann auch gesehen. Havanna ist definitiv eine unglaubliche Stadt und wir sind froh, haben wir uns den Besuch bis zum Schluss gespart.

Mein Fazit:
Mittlerweile sind wir schon wieder zwei Wochen zu Hause. Wir haben unsere Verlangen nach allem was wir entbehren mussten gestillt und können unsere Zeit in Kuba nun mit dem nötigen Abstand betrachten. Chöge hatte während der ganzen Zeit generell viel weniger Mühe mit dem Sozialismus als ich. Für mich war diese Reise einmal mehr auch ein Kennenlernen meiner persönlichen Grenzen. Ich stehe dem Sozialismus völlig verständnislos gegenüber, da ich keinen  einzigen Vorteil eines solchen Systems erkennen kann. Die ganze Wirtschaft befindet sich unter staatlicher Kontrolle. Aufgrund des fehlenden Wettbewerbs hat man weder Auswahl noch Qualität. Damit die Kubaner ihre Grundbedürfnisse abdecken können erhalten sie monatlich ein Markenheft, mit dem die Güter bezogen werden können.
Wir haben ein Volk kennen gelernt, das entweder träge in den Tag hineinlebt und sich mit den gegebenen Umständen zufrieden gibt oder tagtäglich auf ein neues den Kampf  für ein paar zusätzliche Devisen aufnimmt, damit es sich auch mal mehr als das absolute Minimum leisten kann. Im Fokus stehen dann natürlich die Touristen, was mit der Zeit wirklich nervig wird.
typisch kubanisch....
Wir haben Alleinreisende (männlich und weiblich) kennen gelernt, die sich bitter beschwert haben, dass es für sie mit der Zeit unerträglich wurde, da man als Alleinreisender zusätzlich noch den Stempel für einen Freifahrtsschein nach Übersee, sozusagen in ein besseres Leben, auf der Stirne trägt.
Zum Glück haben wir uns entschieden in den Casas Particulares zu wohnen. So hatten wir die Möglichkeit, die Kubaner auch als offenes, umgängliches und fröhliches Volk kennen zu lernen, das voller Hoffnung in die Zukunft blickt. Sie wissen zwar nicht in welche Richtung sich das Land entwickelt, es sind sich jedoch alle einig, dass es besser sein muss als es im Moment ist; schlechter war es in den letzten 50 Jahren ja bereits und das ist für mich kaum vorstellbar….

Rückblickend war Kuba für mich also ein sehr zwiespältiges Erlebnis. Bleiben werden eh nur die schönen Erinnerungen und das sind vor allem tolle Karibikstrände, alte Autos, baufällige Städte mit eigenartigem Charme, Kubaner in Schaukelstühlen mit Zigarren im Mund und last but not least heisse Nächte mit Salsa und gefährlichen Mojitos …. Eine Reise war die Insel auf jeden Fall wert aber zurück kehren werde ich persönlich vermutlich nicht.

Empfehlenswerte Casa Particulares in Kuba:

Havanna: Casa Colonial Yadilis y Joel, Industria 120 altos, entre Trocadero y Colon, Centro Habana
Tel +53 78 630565, palomita3ra@gmail.com
Varadero: Casa Betty y Jorge
Jorge Pla y Betty Sanchez, Calle 31 Nº 108A. Varadero / Matanzas
Tel.:+53 45 612553 / Cel.:+53 52 890401 / Email: bettylisbet@yahoo.es
 
Vinales: Casa Villa Cristal
Anita & Francisco Martinez, Rafael Trejo 99, Vinales / Pinar del Rio
Tel: +53 52 701284 / villacristal@yahoo.es / www.villacristalcuba.com
 
Cienfuegos: Casa Bella Perla Marina
Amileidis y Waldo Soza Rodríguez del Rey, Calle 39, No 5818, Esq.Ave.60, Cienfuegos 
Tel: +53 43 518991 / bellaperlamarina@yahoo.es
 
Trinidad: Hostal Dr. Suarez y Sra Addys
Michelena Addys, 174 Santiago Escobar Street, Trinidad / Sanctis Spiritus
Tel : + 53 41 992422 / addystrinidad@yahoo.es
 
Santa Clara: Casa La Pergola Autentica
Carlos Obregón y Carmen Rodríguez
61 Luis Estévez, e/ Independence (Boulevard) and Martí, Santa Clara / Villa Clara
Tel: +53 42 208686
carmenrt64@yahoo.es http://hostalautenticapergola.blogspot.com/
 
Remedios: Hostal Buen Viaje
Lester Mercedo y Naty Torna, Andres del Rio Nr 20, Remedios
Tel +53 42 396560 / hostal.buenviaje@gmail.com

Mittwoch, 6. Juni 2012

Remedios und die Cayos


unser Konvoi
Aufgrund der Massenanstürme der Casa Besitzer auf die ankommenden Touristenbusse, haben wir den Besitzer unseres nächsten Casas gebeten, uns am Busbahnhof abzuholen. Dies hatte zudem den Vorteil, dass wir uns die Suche nach dem Haus sparen konnten. Lester stand auch verabredet am Busbahnhof bereit und hatte sogar ein Bicitaxi mitgebracht, da es eine grössre Distanz zu seinem Haus sei. Als der Taxifahrer uns mit dem ganzen Gepäck sah, bekam er grosse Augen. Lester liess sich jedoch nicht beirren und begann zuerst das Gepäck zu verladen und wollte uns beiden noch obendrauf setzen. Ich fand dies jedoch eine Zumutung für den Taxifahrer, vor allem da ich wusste, dass dieser in Moneta nacional bezahlt werden würde. Also winkten wir ein zweites Bicitaxi dazu und fuhren im Konvoi Richtung Zentrum. Remedios schein eine kleine ruhige Stadt zu sein. Dementsprechend sorgten wir für Aufsehen. Die Einwohner lachten und winkten uns zu.
hier schaut er noch zu
Remedios scheint, ausser im Dezember wenn es sein bekanntes Festival feiert, wirklich nicht sehr populär zu sein. Alles läuft hier sehr gemütlich und wir hatten endlich Zeit einfach mal so in den Tag zu leben. Die meiste Zeit verbrachten wir in den um einen schönen Park gelegenen Bars. Hier wird auch überall Domino gespielt. Dies ist neben Baseball und Salsatanzen die dritte Freizeitbeschäftigung der Kubaner. Chöge interessierte sich schon länger für das Spiel, da die Kubaner viel mehr Steine benützen und jeweils 2 gegen 2 spielen. Bis anhin hatte er den Spielern immer nur von weitem zu gesehen. Hier winkten sie ihn heran, er solle reinkommen und zu sehen. Natürlich dauerte es nicht lange und er spielte mit. Als er begriffen hatte, wie das Spiel funktioniert und wie man die Gegner klemmt, so dass sie schlussendlich als Verlierer dastehen, fand das ausser seinem Partner niemand mehr lustig und er musste sich eilends aus dem Staub machen. Ich habe mich halb krumm gelacht, da er es einfach nicht lassen kann, egal wo wir unterwegs sind und was gespielt wird. Er ist und bleibt ein elender Zocker….
Cayo las Brujas
Remedios ist auch ein guter Ausgangspunkt um die vorgelagerten Inseln mit den schönen Stränden zu besuchen. Auf diesen befinden sich nur teure All Inklusiv Ressort, daher hatten wir eigentlich geplant, die Inseln mit einem Taxi vom Festland aus zu besuchen.
Die Inseln sind mit einem 50 km langen Damm mit dem Festland verbunden und die Fahrt dauert länger als wir gedacht haben. Daher haben wir uns kurzfristig entschlossen für zwei Nächte in einem All Inklusiv Hotel einzuchecken. Wir sind einem 5 Sterne Hotel der Melia Kette gelandet. Bereits bei der Ankunft erlebten wir, warum der kubanische Service einen so schlechten Ruf hat. Die Receptionisten erklärte uns, unser Zimmer sei noch nicht bereit, was mich aufgrund der Nebensaison schon etwas erstaunte. Wir setzten uns also in die Lobby und warteten. Es dauerte nicht lange und ein älteres kanadisches Ehepaar setzte sich zu uns. Wir kamen ins Gespräch und die Dame erzählte mir, dass sie Stammgäste in diesem Haus seien. Ich solle mir dies nicht bieten lassen, sondern darauf bestehen, dass ich sofort ein Zimmer bekomme. Ich also wieder an die Reception und nachdem ich mich nicht abweisen liess, holte die Receptionistin ihre Chefin. Diese druckte eine Zimmerliste aus, auf welcher jedes zweite Zimmer mit „libre“ aufgeführt war. Dieses faule Ding war also nur zu bequem gewesen die Zimmernummern abzutauschen…. Unglaublich. Die Kanadierin organisierte dann auch noch, dass wir ein schönes Zimmer mit guter Lage überkommen.
wär hätte gedacht, dass wir beide
mal mit Plasikbänder rumlaufen ;-(
Nun wohnen wir also direkt am Strand und tragen weisse Plastikbändel am Arm. Dies ist der Freipass für hemmungslose Schlemmerei oder ordinäre Saufgelage. An der Poolbar geht es auch entsprechend zu und her. Die Anlage wird vor allem von Kanadiern gebucht. Diese sind ein lustiges und kontaktfreudiges Volk. Alle geben sich Mühe uns das All Inklusiv System zu erklären, da es da so einiges zu wissen gibt. Zum Beispiel sind wir die einzigen, die keinen Plastikkrug dabei haben. Den braucht es, weil die 2 dl Plastikbecher viel zu klein seien und diese viel zu oft nachgefüllt werden müssten. Weiters müssten wir um gut bedient zu werden, erstmals ein paar „Dollars“ springen lassen, dann klappe alles wie von selbst. Ich habe beim Einchecken der Chef Reception als Dank für das zugeteilte Zimmer 1 CUC gegeben und tatsächlich stellt sich seither, das gesamte Team auf den Kopf, sobald ich irgendwo auftauche. Es geht aber auch anders. Beim Abendessen haben wir mit dem Kellner gesprochen und ihm erzählt, wo wir schon überall gewesen sind und das wir bis jetzt nur in den Casas gewohnt haben. Erst wollte er uns dies nicht glauben und war total überrascht. Dann war er begeistert, dass wir somit das „wirkliche“ Kuba kennen. Er habe es sonst nur mit den Touristen im Ressort zu tun und die setzen scheinbar keinen Fuss ausserhalb die Hotelanlage. Er ist nun auch ohne Schiergeld nett zu uns…
Die Anlage ist wirklich schön, es fehlt uns an nichts und wir geniessen es ein wenig zu relaxen. Trotzdem sind wir uns einig, dass dies ein einmaliges Erlebnis bleibt und wir definitiv nie wieder All Inklusiv buchen werden ;-))

Santa Clara... auf den Spuren von Che


Santa Clara … auf den Spuren von „Che“

die Wagons des gesprengten Zugs
Santa Clara besitzt die drittgrösste Universität der Insel. Der Stadtkern wird wiederum von schönen Kolonialgebäuden dominiert, ansonsten kommt sie uns für kubanische Verhältnisse jedoch sehr modern vor. Bis jetzt haben wir noch nie soviel junge, gut aussehende und trendbewusste Kubaner auf einem Haufen gesehen.
Der Grund warum wir uns in dieser Stadt aufhalten, ist das Andenken an Ernesto Che Guevara – der „ewige“ Revolutionär und unermüdliche Kämpfer gegen Imperialismus und Kapitalismus, welcher längst zum Mythos geworden ist. Vermutlich ist er bekannter als jeder amtierende Regierungschef und seine Popularität übertrifft sogar jene des Papstes.
Sein grösster Erfolg war im Jahr 1958, die Einnahme der Stadt Santa Clara, mit der er der Revolution zum endgültigen Durchbruch verhalf. Worauf er von Fidel auch die kubanische Staatsbürgerschaft erhielt (er wurde als Argentinier geboren).
Abschiedsbrief von Che an Fiedel
Che liess damals zusammen mit einer Gruppe von 18 jugendlichen Revolutionären einen gepanzerten Zug entgleisen. Dafür verwendeten sie einen geliehenen Bulldozer und ein paar selbst gebastelte Molotow-Cocktails. Der darauf folgende Kampf dauerte nur 90 Minuten und besiegelte das Schicksal der Batista Diktatur. Damit wurde der Grundstein für die 50 Jahre währende Regierungszeit von Fidel Castros gelegt.
Wenn man Kuba besucht ist es ein Muss sich mit der Geschickte auseinander zu setzten. Daher gab es für uns an Santa Clara kein Vorbeikommen. Also sind wir am Morgen mit Reiseführer bewaffnet losgezogen, um den historischen Plätzen einen Besuch abzustatten. Ist ja sonst nicht so unser Ding, aber hier geht es schliesslich um Che. Auch wenn seine Ideale absolut nicht die unseren sind, zollen wir seinem Gedankengut absoluten Respekt.
Ernesto Che Guevara Monument
Als erstes Besuchten wir den ursprünglichen Schauplatz der Schlacht. Dort sind heute noch ein paar der originalen Wagons, des aus den Geleisen gesprengten Zugs und der dafür eingesetzte Bulldozer zu betrachten. In den Wagons befindet sich mittlerweile ein Museum mit Fotos des Anschlags von damals, sowie der gesamten Ausrüstung der Rebellen. Chöge war vom Kriegsmaterial beeindruckt, ich eher vom guten Aussehen des Rebellen ;-))
Weiter ging es zum Monument, welches zu einer Pilgerstätte von Che Fans geworden ist.
Die Gedenkstätten liegen kilometerweit auseinander und an dem Tag war es natürlich so heiss wie noch nie. Für uns war schnell klar, dass irgendeine Transportmöglichkeit her muss. Also winkten wir die erstbeste Kutsche die vorbei fuhr heran. Ein alter Kubaner hielt und hatte beim Anblick der beiden nass geschwitzten Touristen bereits Dollar Zeichen in den Augen. Wir verhandelten hart, wobei wir uns aufgrund der Tatsache, dass wir uns einige Kilometer ausserhalb der Stadt befanden und offensichtlich nicht mehr bereit waren weiter zu Fuss zu gehen, ganz klar in der schlechteren Position befanden. Zudem hatten wir es mit einem alten Hasen zu tun, der uns immer wieder erklärte wie hart er als Kubaner arbeiten müsse und das dies natürlich seinen Preis habe. Dieses Argument mussten wir einfach gelten lassen und da unsere Spanischkenntnisse mehr als mager sind, konnten wir auch nicht wirklich zu unseren Gunsten argumentieren. Wir einigten uns schlussendlich auf 7 CUC. Das waren mind 5 CUC zuviel, der alte Mann freute sich riesig und fuhr erstmals bei seiner Frau vorbei um ihr von dem guten Deal zu erzaehlen. Diese freute sich diebisch, klatschte vor Begeisterung in die Haende und ueberschuettete uns mit einem Fluss spanischer Woerter.
Choeges Einkaeufe
Wir erhielten aufgrund des guten Preises dann eine zweistuendige Kutschenfahrt. Es war lustig die Stadtbesichtigung mit der Kutsche zu machen. Das ganze hatte fast ein wenig Wild West Potential. 
Im Anschluss daran besuchten wir einen offiziellen Zigarrenladen. Wir erhielten eine sehr kompetente Beratung, welche Choege dermassen ueberzeugte dass er so richtig mit kubanischen Stuempen eindeckte. Keine Ahnung wer die alle Rauchen soll, zudem graust es mich schon jetzt vor dem Gestank in unserem Garten! Choege und die Dame verstanden sich so gut, dass sie ihm eine offizielle Schachtel fuer die Stuempen schenkte, welche wir bereits in Vinales gekauft haben und diese dann auch noch auf der offiziellen Kaufquittung auffuehrte, so dass wir nun am Flughafen keine Probleme mehr zu erwarten haben. Es duerfen naemlich nur die in den offiziellen Tabakfabriken hergestellten Zigarren ausgefuehrt werden. Mir ist somit um einiges wohler :-))
Herr war uns jedoch sympathisch und wir betrachteten es als aktive Wirtschaftsförderung. Er konnte es dann auch nicht lassen und fuhr bei seiner Frau vorbei, um ihr den Deal brühwarm mitzuteilen. Diese strahlte übers ganze Gesicht und klatschte erfreut in die Hände. Sie überschüttete uns mit einem Schwall spanischer Wörter und wir mussten ab ihrer Euphorie wohl oder übel lachen. War vermutlich wirklich ein mega Deal… aber was solls. Wir hatten einen riesen Spass zusammen und erhielten eine zweistündige Kutschenfahrt mit Besuch der ganzen Sehenswürdigkeiten geboten. Der Kutscher kümmerte sich rührend um uns und wir kehrten mit einem absolut guten Gefühl zurück. Schlussendlich geht es bei einem Deal doch genau darum, dass beide Seiten am Schluss zufrieden sind  ;-))
Wir nutzten unsere Zeit in der Stadt auch um endlich stressfrei Zigarren und Rum einzukaufen und fanden einem Spezialladen mit einer sehr kompetenten Bedienung. Diese stellte uns auch gleich eine offizielle Schachtel für die in Vinales beim Bauer gekauften Zigarren zur Verfügung. Die Ausfuhr von Zigarren ist nämlich sehr heikel und man braucht eine Quittung von einem lizensierten Laden dafür. Die haben wir nun und schachtelweise legale Stümpen dazu auch noch… Chöge konnte sich bei dem Angebot nicht beherrschen. Mir graut es schon heute bei der Vorstellung des Gestanks in unserem Garten ;-)))
Im weiteren gibt es in der Stadt auch noch eine Fussgängerzone die „Boulevard“ genannt wird. Hier kann man für kubanische Verhältnisse recht gut flanieren. Dabei erhielten wir einen Eindruck davon, wie klein das Angebot für die Kubaner wirklich ist. Da gibt es grosse Läden mit reihenweise Regalen, die einfach leer stehen, für uns ist so was einfach unvorstellbar. Es gibt beispielsweise auch an jeder Ecke Apotheken, jedoch sind kaum  Medikamente zu kaufen. Zum Verständnis, wir befinden uns hier in einer der grössten Städte Kubas. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie es abseits der Touristenrouten auf dem Land aussieht. Ein echt hartes Leben, das für uns kaum nachvollziehbar ist. Obwohl wir Touristen aufgrund unserer Devisen an alles heran kommen und die Casa Besitzer alles versuchen um unsere Bedürfnisse zufrieden zu stellen, ist das Angebot sehr beschränkt. Ich muss gestehen, dass ich langsam aber sicher unter Konsum-Entzugserscheinungen leide.
Übrigens wohnen wir nur eine Strasse vom Boulevard entfernt in einem wunderschönen alten Kolonialhaus bei Carmen und Obregon. Wir haben es auch hier super getroffen. Die beiden sind witzig, aufgeschlossen und sprechen sehr gutes Englisch. Zudem übertrifft Carmen mit ihren Kochkünsten alles bisherige und wir haben beschlossen mit dem Ranking aufzuhören, da bis anhin jedes Casa das vorhergehende übertroffen hat. Die kubanische Küche wurde im Vorfeld dermassen schlecht gemacht, dass wir mit null Ansprüchen auf die Insel gereist sind und nun jedes Mal wieder aufs Neue überrascht werden. Kuba ist kein Gourmetland, aber verhungern tut man hier auch nicht. Morgen verlassen wir die Touristenroute und machen uns auf den Weg Richtung nordöstliche Küste. Im Dorf Remedios soll die Zeit angeblich stehen geblieben sein und wird unter den Reisenden noch als „Geheimtipp“ gehandelt. Obwohl ich da einwenig skeptisch bin, denn alles was im Lonely Planet steht ist für mich kein Geheimnis mehr. Wir werden sehen….hasta luego!


Remedios und die vorgelagerten Cayos


Mittwoch, 30. Mai 2012

Kubaner auf der Jagd nach Devisen...

In Kuba existiert ein doppeltes Währungssystem. Fuer uns ist dieses System nicht einfach, da wir immer auf der Hut sein muessen, dass wir auch das richtige Wechselgeld erhalten.
Lobster zum Abendessen

Die offizielle Währung ist der Peso Cubano (Abk CUP) oder auch Moneda Nacional genannt. Dieser ist eigentlich nur für die kubanische Bevölkerung bestimmt. Wenn man weiss wie, können Ausländer diesen jedoch auch benutzen, was von den Einheimischen jedoch nicht unbedingt gern gesehen ist, da dieser nur ein Viertel der Touristenwährung wert ist. Zudem können auch nur beschränkt Sachen damit gekauft werden. Beispielsweise bekommt man billiges Essen, wie nicht unbedingt schmackhafte Peso Pizza damit oder man kann mit den hoffnungslos überfüllten nationalen Bussen fahren. Grundsätzlich hätte dies den Vorteil, dass man spottbillig in Kuba leben könnte. Wir müssen jedoch gestehen, dass wir noch nicht so recht rausgefunden haben, wie genau das System funktioniert und vermutlich werden wir dies auch nicht, da wir kein Spanisch sprechen, nicht lange genug in Kuba unterwegs und jederzeit deutlich als Ausländer identifizierbar sind.
Jineteros am Warten auf Touristen
Die Touristenwährung wird Peso Convertible (Abk CUC) oder Devisa genannt (1:1 Verhältnis zum USD). Mit dieser können Luxuxartikel gekauft werden. Natürlich sind die Kubaner absolut heiss auf diese Devisen und vom Morgen bis am Abend auf Jagd danach. Am offensichtlichsten für uns ist es bei den Jineteros (Schlepper/Vermittler) Deren Ziel ist es uns Touristen irgendetwas zu verkaufen. Angefangen von Taxifahrten, über Casa- und Restaurantbesuche bis hin zu Zigarren und Salsaunterricht können die einem alles vermitteln. Man muss sich einfach bewusst sein, das man den Dienst jeweils teuer bezahlt, da die Begünstigten ihnen für die geleisteten Dienste ein Kommission entrichten müssen, die schlussendlich wieder bei uns auf der Rechnung landet. Am günstigsten ist es wenn man versucht mit dem Endanbieter zu verhandeln, was jedoch nicht immer einfach ist, aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse beiderseits. Langsam aber sicher haben wir jedoch den Dreh raus, so dass wir mit Händen und Füssen meistens bekommen was wir wollen.
Auch die Casabesitzer versuchen uns die Devisen abzuluchsen wo es nur geht. Ihre Art ist jedoch viel weniger aufdringlich als jene der Jineteros. Sie verkaufen uns Frühstück und Abendessen, Wäscheservice, vermieten Velos und bieten eigentlich die ganzen Services an, die man uns auch auf der Strasse zu vermitteln versucht. Wir haben schon überall Lobster gegessen (CUC 25), obwohl dieser offiziell nur in den staatlichen Restaurants verkauft

der Verkaeufer versucht Choege
Hutschmuck anzudrehen
werden darf. Jeder kennt einen Nachbarn der ein Auto hat und bereit ist uns privat irgendwo hinzufahren. Grundsätzlich ist auch dies streng verboten, trotzdem kümmert es niemanden. So hat uns der erste Casabesitzer einen günstigen Shuttel nach Havanna verkauft, in dem er uns eine Mitfahrgelegenheit bei seinem Kollegen organisiert hat, der ein Mietauto nach Havanna zurückbringen musste. Kostenpunkt CUC 50 für eine Fahrt von 200 km. Der Fahrer hat dann aufgrund der vorigen Zeit auch noch gleich eine Stadtrundfahrt in Havanna dran gehängt, was ihm ein zusätzliches Drinkgeld eingebracht hat. Der zweite Casabesitzer hat uns den Reitausflug für CUC 30 auch direkt über den Bauern vermittelt. Auch die ganzen Bands die in den Bars und Kaffees spielen, geben regelmässig den Hut in die Runde, sobald irgendwo Touristen sitzen.
Weitere Einnahmequellen sind die Liegestühle an den Stränden der im Moment fast leeren Hotels. Diese werden gerne an die Individualtouristen vermietet. Dazu bekommt man Drinks serviert, die an der All Inklusiv Bar geholt werden. Das Geld wandert alles in die Taschen der Angestellten.
Lehrerin die mit den Kindern ihr Budget aufbessert
Wir sind auch schon an einer Schule vorbei gelaufen und wurden von der Lehrerin aufgefordert doch ein Foto von den Kindern zu machen. Mit dem Resultat, dass sie anschliessend die Hand nach einem „Dollar“ (1 CUC) ausgestreckt hat. Super Vorbild für die Kinder, wiso etwas lernen wenn man mit Fotos auch Geldverdienen kann.
Trotzdem können wir es den Kubanern nicht wirklich übel nehmen, da die gesamte Tourismusbranche unter staatlicher Kontrolle ist und dies der einzige, wobei nicht ganz risikolose Weg ist, auch etwas vom Kuchen abzubekommen. Der normale Verdienst eines Kubaners beläuft sich zwischen 15 bis 30 CUC monatlich. Es wundert also niemanden mehr, das unsere Casabesitzer Berufe wie Universitätsprofessoren, Ärzte und Ingenieure an den Nagel gehängt haben, weil man mit den Touristen viel besser Geld verdienen kann. Das ganze passiert jedoch mit viel Charme und einer grossen Portion Schalk. Zudem hat man als Tourist immer die Wahl ob man sich darauf einlässt oder nicht. Böse sind einem die Kubaner nie und ein Nein wird eigentlich problemlos akzeptiert.



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