In 20 Jahren wirst Du dich mehr ärgern über die Dinge, die du nicht getan hast, als über die, die du getan hast. Also wirf die Leinen und segle fort aus deinem sicheren Hafen. Fange den Wind in deinen Segeln. Forsche-Träume-Entdecke - Mark Twain

Das sind wir...

Das sind wir...

Mittwoch, 30. Mai 2012

Kubaner auf der Jagd nach Devisen...

In Kuba existiert ein doppeltes Währungssystem. Fuer uns ist dieses System nicht einfach, da wir immer auf der Hut sein muessen, dass wir auch das richtige Wechselgeld erhalten.
Lobster zum Abendessen

Die offizielle Währung ist der Peso Cubano (Abk CUP) oder auch Moneda Nacional genannt. Dieser ist eigentlich nur für die kubanische Bevölkerung bestimmt. Wenn man weiss wie, können Ausländer diesen jedoch auch benutzen, was von den Einheimischen jedoch nicht unbedingt gern gesehen ist, da dieser nur ein Viertel der Touristenwährung wert ist. Zudem können auch nur beschränkt Sachen damit gekauft werden. Beispielsweise bekommt man billiges Essen, wie nicht unbedingt schmackhafte Peso Pizza damit oder man kann mit den hoffnungslos überfüllten nationalen Bussen fahren. Grundsätzlich hätte dies den Vorteil, dass man spottbillig in Kuba leben könnte. Wir müssen jedoch gestehen, dass wir noch nicht so recht rausgefunden haben, wie genau das System funktioniert und vermutlich werden wir dies auch nicht, da wir kein Spanisch sprechen, nicht lange genug in Kuba unterwegs und jederzeit deutlich als Ausländer identifizierbar sind.
Jineteros am Warten auf Touristen
Die Touristenwährung wird Peso Convertible (Abk CUC) oder Devisa genannt (1:1 Verhältnis zum USD). Mit dieser können Luxuxartikel gekauft werden. Natürlich sind die Kubaner absolut heiss auf diese Devisen und vom Morgen bis am Abend auf Jagd danach. Am offensichtlichsten für uns ist es bei den Jineteros (Schlepper/Vermittler) Deren Ziel ist es uns Touristen irgendetwas zu verkaufen. Angefangen von Taxifahrten, über Casa- und Restaurantbesuche bis hin zu Zigarren und Salsaunterricht können die einem alles vermitteln. Man muss sich einfach bewusst sein, das man den Dienst jeweils teuer bezahlt, da die Begünstigten ihnen für die geleisteten Dienste ein Kommission entrichten müssen, die schlussendlich wieder bei uns auf der Rechnung landet. Am günstigsten ist es wenn man versucht mit dem Endanbieter zu verhandeln, was jedoch nicht immer einfach ist, aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse beiderseits. Langsam aber sicher haben wir jedoch den Dreh raus, so dass wir mit Händen und Füssen meistens bekommen was wir wollen.
Auch die Casabesitzer versuchen uns die Devisen abzuluchsen wo es nur geht. Ihre Art ist jedoch viel weniger aufdringlich als jene der Jineteros. Sie verkaufen uns Frühstück und Abendessen, Wäscheservice, vermieten Velos und bieten eigentlich die ganzen Services an, die man uns auch auf der Strasse zu vermitteln versucht. Wir haben schon überall Lobster gegessen (CUC 25), obwohl dieser offiziell nur in den staatlichen Restaurants verkauft

der Verkaeufer versucht Choege
Hutschmuck anzudrehen
werden darf. Jeder kennt einen Nachbarn der ein Auto hat und bereit ist uns privat irgendwo hinzufahren. Grundsätzlich ist auch dies streng verboten, trotzdem kümmert es niemanden. So hat uns der erste Casabesitzer einen günstigen Shuttel nach Havanna verkauft, in dem er uns eine Mitfahrgelegenheit bei seinem Kollegen organisiert hat, der ein Mietauto nach Havanna zurückbringen musste. Kostenpunkt CUC 50 für eine Fahrt von 200 km. Der Fahrer hat dann aufgrund der vorigen Zeit auch noch gleich eine Stadtrundfahrt in Havanna dran gehängt, was ihm ein zusätzliches Drinkgeld eingebracht hat. Der zweite Casabesitzer hat uns den Reitausflug für CUC 30 auch direkt über den Bauern vermittelt. Auch die ganzen Bands die in den Bars und Kaffees spielen, geben regelmässig den Hut in die Runde, sobald irgendwo Touristen sitzen.
Weitere Einnahmequellen sind die Liegestühle an den Stränden der im Moment fast leeren Hotels. Diese werden gerne an die Individualtouristen vermietet. Dazu bekommt man Drinks serviert, die an der All Inklusiv Bar geholt werden. Das Geld wandert alles in die Taschen der Angestellten.
Lehrerin die mit den Kindern ihr Budget aufbessert
Wir sind auch schon an einer Schule vorbei gelaufen und wurden von der Lehrerin aufgefordert doch ein Foto von den Kindern zu machen. Mit dem Resultat, dass sie anschliessend die Hand nach einem „Dollar“ (1 CUC) ausgestreckt hat. Super Vorbild für die Kinder, wiso etwas lernen wenn man mit Fotos auch Geldverdienen kann.
Trotzdem können wir es den Kubanern nicht wirklich übel nehmen, da die gesamte Tourismusbranche unter staatlicher Kontrolle ist und dies der einzige, wobei nicht ganz risikolose Weg ist, auch etwas vom Kuchen abzubekommen. Der normale Verdienst eines Kubaners beläuft sich zwischen 15 bis 30 CUC monatlich. Es wundert also niemanden mehr, das unsere Casabesitzer Berufe wie Universitätsprofessoren, Ärzte und Ingenieure an den Nagel gehängt haben, weil man mit den Touristen viel besser Geld verdienen kann. Das ganze passiert jedoch mit viel Charme und einer grossen Portion Schalk. Zudem hat man als Tourist immer die Wahl ob man sich darauf einlässt oder nicht. Böse sind einem die Kubaner nie und ein Nein wird eigentlich problemlos akzeptiert.



Trinidad.... Stadt der ehemaligen Zuckerbarone

Bei unserer Ankunft in Trinidad waren die Spuren des Unwetters noch deutlich sichtbar. Zum Glück hatte sich das Wetter beruhigt und die Sonne schien wieder. Schliesslich wollten wir hier auch ein paar Tage am Strand verbringen.
Trinidad
Trinidad ist eine gut erhaltene spanische Kolonialstadt, die seit Mitte der 80er Jahren das UNESCO Siegel trägt. Hier sind die Uhren seit Mitte des 19. Jahrhunderts stehen geblieben. Seinen Wohlstand verdankt Trinidad den immensen Geldsummen, welche aus dem Zuckerhandel von damals resultierten.
Die Kolonialhäuser sind sowohl aussen wie auch innen in einem top Zustand. Wir haben uns einige angesehen und sind hell begeistert von deren Architektur. Trinidad steht an dritter Stelle der meist besuchten Orte Kuba’s. Man spürt den Tourismus deutlich, überall wird man von Jineteros (Schleppern) angesprochen, die einem irgendeine Tour andrehen wollen. Auch hier wird ein Nein jedoch problemlos akzeptiert. Wir fühlen uns jedenfalls sehr wohl. Gemäss Reiseführer werden in dieser Stadt die besten Casa Particulares der Insel angeboten. So wie es aussieht haben wir genau so eines erwischt. Wir wohnen in einem grossen, modernen Zimmer und haben eine eigene Terrasse zur Verfügung, von der man die ganze Stadt überblicken kann. Addys und José, unsere Gastgeber, sind sehr um uns bemüht. Die Küche von Addys ist hervorragend und rangiert im Moment auf unserem persönlichen Platz eins. Wir können uns nicht vorstellen, dass wir irgendwo noch besser verpflegt werden. Zudem zahlt sich unsere konsequente Haltung aus, nur in den Casas zu essen. Wir haben bereits mehrere Reisende getroffen, die ziemlich übel mit Magen- /Darmproblemen zu kämpfen hatten.

tanzende Kubanerinnen im Casa de la Musica
Mitten in der Stadt gibt es ein Casa de la Musica. Dies sind die klassischen Veranstaltungsorte in Kuba. In diesem hier trifft man sich unter freiem Himmel auf einer ausladenden Treppe zu Drinks und Salsa. Da die Bewohner von Trinidad es sich offenbar gewohnt sind, ständig Touristen um sich zu haben, resultiert hier ein unterhaltsames Miteinander. Einheimische tanzen Salsa mit Touristen, spielen Domino oder verbessern Ihre Englisch- resp wir unsere Spanischkenntnisse. Dazu gibt es literweise Mojitos. Es ist jeden Abend aufs Neue eine Gradwanderung, dass man nicht beschwipps ins Bett fällt ;-))
Selbstverständlich haben wir uns auch auf die Suche nach den Spuren aus der Zeit der grossen Zuckerbarone gemacht. Trick ein junger Norweger, der seit 5 Monaten auf Reisen ist, begleitete uns. Er spricht natürlich spanisch, was mal wieder ein Glücksfall für uns ist. Im Valle de los Ingenios kann man in tropischer Wildnis immer noch die Zuckerrohplantagen und einige Ruinen jener Zuckermühlen sehen, die dem Landstrich den einst so grossen Reichtum bescherten.
Wohnhaus eines ehemaligen Zuckerbarons

Von ihm zeugen bis heute die Herrenhäuser, welche die Aristokraten damals errichten liessen. Wir haben uns eines angeschaut und waren beeindruckt von dem Glamour aus vergangenen Zeiten. Hinter dem Haus fanden wir eine alte Zuckerpresse, die offensichtlich noch in Takt war. Wir fragten einen Angestellten ob es möglich sei, zu sehen wie diese funktioniert. Kein Problem, es wurden umgehend eine lange Zuckerrohrstange herbei geschafft und die beiden Jungs mussten sich zusammen mit den Angestellten an die Arbeit machen. Es schien ein ziemlicher Krampf zu sein, denn innerhalb von Minuten waren beide vollkommen verschwitzt. Die Arbeit zahlte sich jedoch aus, denn am Schluss befanden sich gut 2 Liter Saft im Eimer. Dieser wurde mit einem ordentlichen Schuss Rum serviert und schmeckte sehr lecker.
Weiter ging es mit der Besichtigung des 43 Meter hohen Turms, von dem aus die Sklaven auf den Feldern überwacht wurden. Wir mussten auf einer schmalen und steilen Holztreppe sieben Etagen in die Höhe steigen. Ich versichere euch, das war nach dem Drink eine ziemliche Herausforderung. Wir hatten ein riesen Fest und alle rundherum wunderten sich ein wenig …
Choege und Trick bei der Arbeit

Die restliche Zeit verbrachten wir hauptsächlich am Playa Ancon. Die Strände an der Südküste sind nicht zu vergleichen mit denen im Norden. Für eine Abkühlung und ein wenig Relaxen tun sie es aber alle mal.
Wir haben auch schon einige lustige Bekanntschaften gemacht. Da wir uns im Moment noch auf der typischen Touristenroute bewegen, trifft man immer wieder bekannte Gesichter und kommt irgendwann miteinander ins Gespräch. Da alle zu den selben Orten wollen oder bereits da waren werden nützliche Tipps ausgetauscht, was öfters zu einer internationalen und unterhaltsamen Gesprächsrunde führt…. Extrem entspannt das Ganze und genau unser Ding ;-))



Sonntag, 27. Mai 2012

Cienfuegos... eine typisch kubanische Stadt

Mittlerweile sind wir also in Cienfuegos an der Südküste Kubas angekommen. Die Fahrt dauerte fast 7 Stunden war aber absolut ok und natürlich wiederum sehr unterhaltend. Ich denke dem Thema Strassenverkehr und Transport werde ich bei Gelegenheit mal einen separaten Beitrag widmen.
Bicitaxi
Cienfuegos ist viel grösser als wir erwartet haben und liegt auf dem Weg nach Trinidad unserem nächsten Hauptziel. Die Stadt verfügt über ein schönes und gut erhaltenes Kolonialviertel das als sehenswert gilt. Die meisten Touristen machen jedoch meistens nur einen Zwischenstopp um Fotos zu machen und fahren nach ein, zwei Stunden auch gleich wieder weiter. Wir haben
uns jedoch entschlossen zwei Nächte hier zu bleiben, damit wir uns das ganze in Ruhe ansehen können und auch eine Ahnung davon bekommen, wie die Kubaner in der Stadt wohnen. Bei unserer Ankunft regnete es wie aus Kübeln.

Dementsprechend leicht war es für den
Taxifahrer uns seine Dienste zu verkaufen. Hier gibt es hauptsächlich Kutschen und Bicitaxis. Wir haben uns für letzteres entschieden. Bicitaxis sind dreirädrige Velos mit relativ wenig Platz. Es war ein ziemliches Fest, bis wir unser Gepäck aufgeladen hatten. Zudem liegt die Stadt an einem Hang und der Fahrer hatte das Pech, dass sich unser Casa im oberen Teil befindet. Er hatte einen mega Krampf und wir litten wirklich ein wenig mit ihm. Wenn es nicht so gegossen hätte, wären wir sicher neben dem Taxi hergelaufen, aber darauf hatten wir unter den Umständen wirklich keine Lust ;-((

altes Kolonialhaus

Wohnen tun wir bei Amileidis und Waldo in einem alten Kolonialhaus. Sie sind beide etwas älter als wir und haben vermutlich schon erwachsene Kinder. Unser Zimmer ist riesig und verfügt über die typisch hohen Decken. Essen gibt es auf der Terrasse, von welcher wir einen schönen Blick über die Stadt haben. Im ganzen Haus hängen Baupläne an den Wänden und überall liegen Baumaterialien herum. Natürlich dauerte es nicht lange und Chöge liess sich vom Hausherrn das Projekt erklären. Dieser erzählte ihm, er beabsichtige auf dem Dach ein Paladares (privat geführtes Restaurant) sowie ein weiteres Gästezimmer mit Whirlpool zu bauen. Das Material liege schon wochenlange herum, leider fände er keine Leute die ihm die Arbeiten ausführen würden. Unglaublich, wenn man sieht wie viele Kubaner anscheinend in den Tag hinein leben. Waldo meint, eventuell läge es daran, dass das Projekt zu aussergewöhnlich sei und die Leute sich nicht rantrauen würden, da sie so etwas noch nie gemacht hätten. Wir finden es schade, denn er verliert viel Geld dabei. Das Herumliegen schadet dem Material, das nicht gebaute Restaurant verhindert Mehreinnahmen und die Gäste fühlen sich auf der Terrasse, die momentan einem Baumateriallager gleicht, auch nicht mehr wirklich wohl. Wir drücken ihm die Daumen und hoffen, dass wir irgendwann im Internet sehen können, wie er seine Pläne verwirklicht hat.
typische kubanische Wohnhaeuser
In Cienfuegos erhält man einen Einblick in den typisch kubanischen Alltag. Es ist beeindruckend zu sehen wie unterschiedlich die Kubaner leben. Die einen haben schöne Häuser mit gepflegten Gärten und andere wiederum leben mehr oder weniger in einem baufälligen Haus. So wie es scheint leben jedoch alle grundsätzlich sehr einfach und haben nicht wirklich viel übrig um sich irgendwelchen Luxus zu leisten.
Während unserer Stadtbesichtigung, trafen wir überraschend Natascha und Jaro, das tschechische Pärchen aus Varadero wieder. Sie erzählten uns, sie seien auf der Flucht vor einem Unwetter das in Trinidad sein Unwesen treiben würde. Seit 4 Tagen regne es dort ohne Unterbruch und die Strassen seien mittlerweile alle überschwemmt. Sie zeigten uns auf ihrem Fotoapparat einen Film, in dem man einen reissenden Fluss sah, welcher durch die Stadt fliesst. Wir waren ziemlich entsetzt, da wir bis jetzt eigentlich ziemliches Glück mit dem Wetter hatten. Es hat schon hie und da geregnet, meistens am Nachmittag was für die Saison auch normal ist. Uns war dies jedoch egal, da wir uns diese Zeit meistens irgendwo in einer Bar um die Ohren schlugen ;-)) Natascha und Jaro hatten jedoch generell ziemliches Pech mit ihrer Routenwahl. Während wir gegen Westen gereist sind, brachen sie in entgegen gesetzter Richtung auf, mit dem Plan ein paar schöne Tage auf den Insel im Osten zu verbringen und hatten dort mehrheitlich nur Regen. Da kann einem das Inselleben wirklich verleiden. Sie befinden sich mittlerweile auf dem Weg zurück nach Havanna, wir haben jedoch die Adressen getauscht und freuen uns auf ein Wiedersehen in Schweiz.
eine Strasse in Cienfuegos

Chöge und ich waren ziemlich verunsichert ob wir unsere Route beibehalten wollen oder nicht. Wir fragten überall herum wie die Wetterprognose für die nächsten Tage aussehen würde. Bei zehn Personen die wir fragten, erhielten wir zehn verschiedene Antworten. So wie es aussieht scheinen sich die Kubaner nicht gross um das Wetter zu kümmern. Schlussendlich rief Waldo bei seiner Cousine in Trinidad an. Die versicherte mir, der Regen hätte mittlerweile aufgehört und die Strassen seien schon fast wieder trocken. Wir könnten uns problemlos auf den Weg machen, was wir dann auch getan haben…

Wir sind mittlerweile in Trinidad angekommen. Das Wetter ist gut und hier funktionieren sogar die Internetverbindungen. Viel Spass beim Lesen, ich werde versuchen noch ein paar Fotos hochzuladen. Mal schauen, ob es funktioniert resp wie lange es dauert bis ich die Geduld verliere ...

Vinales... Tal der Tabakplantagen

Entgegen unseren Befürchtungen war der Transport nach Vinales absolut easy.
das Tal von Vinales
Jorge hat uns einen Transfer nach Havanna zur Busstation organisiert. Von dort aus ging es mit Viazul, dem Touristenbus weiter ins knapp 200 km entferne Vinales. Der Bus ist für kubanische Verhältnisse sehr luxuriös und verfügt über Liegesitze und ist sogar mit einem WC ausgerüstet, was das Reisen doch sehr angenehm macht, da es nicht stündliche Pipihalts braucht bei denen man viel Zeit verliert. Man kommt dementsprechend schnell vorwärts. Ich für meinen Teil habe die halbe Fahrt verschlafen. Dies war vermutlich auch besser, denn es regnete wie aus Kübeln, was den Driver jedoch nicht zu beeindrucken schien. Chöge erzählte mir, er habe zwei, dreimal fast eine Herzattacke bekommen und das will bei ihm doch etwas heissen. Wie auch immer, wir sind jedenfalls gut am Ziel angekommen.
Die Ankunft war auch so ein Erlebnis. Der Bus stand noch nicht still als an den Scheiben schon Kubanerinnen mit Fotos von ihren Casas hingen. Ich war aufgrund von gelesenen Reiseberichten zum Glück darauf vorbereitet. Zurzeit scheint das Angebot von Casas noch grösser, als die Nachfrage danach zu sein. Die Kubaner müssen jedoch ihre monatlichen Abgaben zahlen ob sie vermietet haben oder nicht. Daher habe ich Verständnis für das doch etwas aggressive Vorgehen. So wie es aussieht wird uns an jeder Haltestelle das selbe Bild erwarten. Eines muss man den Kubanern jedoch lassen. Sie bleiben freundlich und umgänglich, auch wenn sie eine Absage erhalten. Ein riesen Plus für sie, wir wissen nämlich dass dies nicht selbstverständlich ist.

Choege hoch zu Ross
Wir wohnen im Casa Cristal bei Anita und Francisco. Sie sind in unserem Alter haben zwei kleine Kindern und arbeiten beide im Tourismus, was für uns natürlich ein Volltreffer ist. Beide sprechen englisch und die Tourberatungen erhalten wir zu Hause am Frühstückstisch. Zusammen mit ihnen wohnt noch die Tante von Anita mit ihrer Tochter Susy sowie der Grossvater von Francisco im Haus. Die Tante und Susy sind für unser Wohl zuständig, da die Casabesitzer voll von ihrem Berufsalltag auf Trab gehalten werden. Uns gefällt es super hier, wir haben im Garten ein eigenes kleines Häuschen ganz für uns alleine mit einem wunderschönen Sitzplatz davor. Vinales ist ein kleines Dorf in dem hauptsächlich Bauern wohnen. Es liegt eingebetet in einem idyllischen Tal mit grotesk aussehende Felsformationen. Das Tal verfügt über äusserst fruchtbaren Boden. Überall wächst Mais, kartoffelähnliche Malanges und Tabak im Überfluss. Seit 1999 trägt das Tal das UNESCO Siegel, was es auch mehr als verdient hat.
Auf Empfehlung von unseren Gastgebern, benutzten wir den Touristenbus um uns erstmals anlässlich einer Rundfahrt ein Bild machen zu können, was wir uns in den kommenden 3 Tagen alles ansehen möchten. Man könnte hier tagelang wandern gehen und Höhlen besichtigen, bis einem die Ohren wackeln. Das können wir zu Hause auch, also haben wir uns für einen Ausflug auf eine einsame Insel und einen Ritt durch die Tabakfelder entschieden.
Der Ausflug an den Strand war toll. Wir fuhren mit einem Minibus an die Nordküste und mit einer uralten Fähre weiter auf die Insel Levisa. Dort fanden wir einen Karibikstrand vor, wie wir es bis anhin nur aus Katalogen kennen. Wir haben dort einen relaxten Tag verbracht und uns mehr als einmal zu unserer Entscheidung gratuliert, dass wir entschlossen haben endlich nach Kuba zu fahren ;-)))


Unterricht im Stumpendrehen

Aber noch geiler war der Ritt durch die Tabakfelder. Wir wurden nach dem Frühstück direkt zu hause von einem Guide abgeholt, der uns zu den Pferden brachte. Dort wartet schon ein französisches Pärchen, welches ebenfalls mit uns auf die Tour kam. Wir hatten mal wieder Glück, denn Juliette spricht sowohl englisch also auch spanisch und wir brauchten dringend einen Übersetzer, da der Guide keine Fremdsprachen konnte. Wir hockten uns also auf die Pferde und los gings. Meines hatte wohl eher knapp gefrühstückt oder war von meinem Gewicht so beeindruckt, dass es sich entschloss sicherheitshalber noch etwas nachzulegen. An jedem Busch wurde angehalten und daran herum geknabbert. Irgendwann erklärte der Guide „no comer“ aha jetzt weiss ich also was essen heisst, könnte möglicherweise ja noch von Nutzen sein ;-)) Er plapperte munter drauf los und so langsam begann ich das eine oder andere zu verstehen. Das Ganze war sehr unterhaltsam, abenteuerlich aber lustig und die Pferde gehorchten erstaunlich gut. Schlussendlich ritten wir ca eine Stunde bis wir bei einer Tabakfarm ankamen. Auf der Farm wurden wir von einem jungen, kräftig und gut aussehenden (;-)) jungen Bauern begrüsst. Er mixte uns erstmals einen Drink mit Rum in einer Ananas. Es war gerade so knapp 10:00 Uhr und wir kamen recht schnell in Stimmung. Auch die Unterhaltsung wurde zusehend einfacher. Gewusst wie…. dann zeigte er uns seine Farm und Juliette übersetzte kräftig, damit wir auch mitkamen. Der Tabak wird im Oktober / November gepflanzt und wird im Januar / Februar geerntet. Dann kommt er für 3 Monate unter Dach, damit er trocknen kann bevor er in den Tabakfabriken aromatisiert und verarbeitet wird. Bis die Zigarren dann im Laden gekauft werden können. Von der Aussaat bis zu dem Zeitpunkt an dem die Zigarren im Laden erworben werden können dauert es ca ein Jahr.

und dann sofort ausprobieren
Der Bauer erklärte uns, dass er 10 % der Ernte für den Eigenverbrauch zurückhält. Dies sei qualitativ die besten Pflanzen, welche er dann an die Bewohner von Vinales und die Besucher seiner Farm verkauft. Er demonstrierte uns dann auch, wie die Zigarren gerollt werden müssen. Mit viel Eifer und Spass bastelten wir unsere eigenen Stümpen und rauchten die selbstverständlich auch. Natürlich unter einem riesen Gelächter. Der Bauer schien es sichtlich zu geniessen. Er beantwortet unsere Fragen geduldig und erklärte uns, dass der Unterschied zu den Zigarren aus den Fabriken darin besteht, dass diese viel mehr gestopft seien als die seinen und dementsprechend viel langsamer und länger brennen würden. Zudem seien die aus der Fabrik je nach Marke unterschiedlich parfümiert, was den Geschmack je nach dem mildern oder verstärken würden. Wir könnten dies jedoch zu hause auch machen, in dem wir die Zigarren in einen Sack mit Schokoladenpulver stecken oder vor der Lagerung etwas Honig darauf streichen würden. Weil der Bauer so nett war und der Erinnerung wegen kauften wir natürlich ein paar von den Stengeln. Macht euch gefasst, es wird zu hause einen kubanischen Nachmittag mit Musik, Stümpen und Rum geben ;-)))

Mittlerweile sind wir also definitiv in Kuba angekommen und es gefällt uns mega gut. Das Leben der Einheimischen ist sehr einfach, trotzdem besitzen sie eine Lebensfreude die beneidenswert ist. Uns gegenüber sind die Kubaner sehr freundlich und hilfsbereit, obwohl sie oft kein Wort englisch sprechen, versuchen sie alles um uns unsere Fragen zu beantworten. Sie tun dies auf eine ganz eigene Arte und Weise und mit soviel Geduld, dass wir sie letztendlich immer verstehen. Zudem lernen wir jeden Tag etwas mehr spanisch und kommen im Alltag schon ganz gut zurecht. Wir haben schnell herausgefunden, wo ihre Plätze sind an denen sie sich aufhalten, wo wir gute Musik zu hören bekommen und relaxt ein Bier trinken können. Auch mit der Küche haben wir uns arrangiert. Die Hauptnahrungsmittel sind Eier, Brot, Kaffee und Früchte zum Frühstück sowie Suppen, Reis, Schwarze Bohnen, Gemüse (vor allem Salat, Tomaten, Gurken) und Fleisch (Fisch, Poulet oder Schwein) zu den Hauptmalzeiten. Wir essen grundsätzlich nur bei den Kubanern zu hause und diese danken es uns, in dem sie uns die erstaunlichsten Sachen auftischen. Es ist jeden Tag wieder ein Erlebnis zu sehen was auf dem Tisch steht. Dafür, dass hier alles rationiert und vom Staat kontrolliert ist, haben wir schon die unglaublichsten Sachen aufgetischt bekommen. Von indischem Tee, über holländischen Käse, Glace, bis hin zu Honig, Ahornsirup und Nesquick haben wir schon alles gesehen und ich bin überzeugt, dass diese Liste nur erst der Anfang ist. Für uns ist das alles so neu und aufregend, dass die Tage wie im Flug vergehen.





Varadero..... das Touristenmekka

ein typisches kubanisches Touristentaxi
Nach einem ruhigen Flug und einer zweistündigen Höllenfahrt sind wir gut in Varadero angekommen. Höllenfahrt deshalb, weil wir einen ersten Eindruck vom Zustand der Strassen und dem Fahrstil der Kubaner erhalten haben. 
Ziemlich zu denken gibt uns die Tatsache, dass es sich bei der Strasse vom Flughafen Havanna nach Varadero um eine der besten auf der ganzen Insel handeln soll. Die Piste hat so viele Schlaglöcher, dass der Mittelstreifen als offizielle Fahrspur benutzt wird. Es gilt das Recht des Stärkeren, angefangen bei den Touristenbussen, über LKW’s, PW’s bis hin zu Eseln, Hunden, Fahrradfahrern und Fussgängern wird der Highway von allen benutzt. Wer bremst verliert und so geht es sogar für die uns bekannten Verhältnisse aus Asien ziemlich chaotisch zu und her. Die Fahrzeuge haben ihre besten Jahre schon längst hinter sich und wie erwartet, gibt es die aufgemotzten Oltimer überall zusehen. Genau wie wir uns das vorgestellt haben ;-))
Beachlife in Varadero
Die Halbinsel Varadero ist 20 km lang, verfügt anscheinend über einen der schönsten Karibikstränden und ist Ziel Nr. 1 von ca 80 % aller Touristen die Kuba besuchen. Daher wird es dominiert von grossen All Inklusiv Hotels und Pauschaltouristen mit farbigen Bändern am Arm. Wir wohnen jedoch wie geplant in einem Casa Particulares. Unsere Gastgeber Betty und Jorge sind absolut nette Menschen und sehr bemüht, uns den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten. Jorge hat bis vor zwei Jahren als Ingenieur gearbeitet, sich aufgrund der vom Staat neu geschaffenen Möglichkeiten sich im Tourismus engagieren zu können., entschieden in seinem Haus ein Casa Particulares zu eröffnen. Hierbei handelt es sich um eine Art kubanisches Bed & Breakfast. Dazu braucht es vom Staat eine Lizenz, um im eigenen Haus Touristen beherbergen zu können. Das ganze ist mit regelmässigen Kontrollen strengen Vorschriften und hohen staatlichen Abgaben verbunden. Trotzdem scheint es ein einträgliches Business zu sein. Vor allem in Varadero, wo es entweder schlechte staatliche oder teure Luxushotels gibt. Ausser uns wohnt noch ein Slowakisches Pärchen im Haus, das in Zürich arbeitet, jedoch überhaupt kein Deutsch spricht und zwei junge Holländerinnen, die auch noch dazu gestossen sind. Die Girls wurden aufgrund des limitierten Angebots, jeder Kubanar darf nur zwei Zimmer vermieten, kurzerhand bei der Schwester im Nachbarhaus untergebracht. 
Fruestuecksrunde im Casa Particulares
Eigentlich streng verboten, aber von nichts kommt nichts und die Devisen werden gerne genommen, wenn sie sozusagen vor der Haustüre stehen…. Wir sind jedenfalls eine lustige Truppe und haben viel Spass zusammen, so dass sich das Frühstück öfters mal in die Länge zieht. Es scheint unseren Gastgebern jedoch Spass zu machen und Jorge nutzt die Gelegenheit um über seine Insel und das damit verbundene Leben zu erzählen. Oft mit ein wenig Galgenhumor jedoch höchst interessant. Andererseits konnten wir uns schon sehr gut über die Insel und das damit verbundene System informieren. Wir stehen alle am Anfang unsers Trips und sind dementsprechend heiss auf Tipps bezüglich was darf man, was nicht, wie lassen sich Transport, Unterkünfte, Touren etc organisieren. Wie funktioniert das Einkaufen mit den beiden unterschiedlichen Währungen etc….
Musik in einer Bar
Ausprobieren können wir es jedoch erst wenn wir Varadero verlassen haben, da dieses zu 100 % auf ausländische Touristen spezialisiert ist und wir hier alles problemlos bekommen. Daher heisst es auch, dass der Ort mit dem richtigen Kuba kaum etwas gemeinsam hat. Aber trotzdem gefällt es uns hier gar nicht so schlecht, da zurzeit Low Season ist und die ganzen Hotelanlagen mehr oder weniger leer sind. Der Strand ist wirklich traumhaft und wie erwartet wird man auf Schritt und Tritt von karibischer Musik begleitet. Zudem sind die Kubaner total relaxt, äusserst charmant und immer für einen Spass zu haben. Die meisten sprechen hier auch englisch, was uns den Start wirklich sehr erleichtert hat. Trotzdem freuen wir uns nun auf das richtige Kuba. Morgen geht’s los, über Havanna nach Vinales. Kubas Gemüsegarten und Produktionsstätte der weltberühmten Zigarren…

Donnerstag, 12. April 2012

Linksammlung

Adonis Guetshouse Patong http://www.adonis-phuket.com/
Moonwalk Resort Koh Lanta http://www.moonwalkresort.com/
Fourwings Convention Hotel Bangkok http://www.grandfourwings.com/
Lanta - Phi Phi - Phuket Ferry http://www.chaokohgroup.com/ferry.html

Dienstag, 14. Februar 2012

Weihnachten- einmal anders...

Während ich letzten Herbst am Strand vom Gargano wehmütig meinen Gedanken an den nächsten, noch weit entfernten Urlaub nachhing, machte mir Chöge den Vorschlag ich könne ja in meinen Weihnachtsferien nach Thailand fliegen, da er sowiso arbeiten müsse. Erst dachte ich, ich höre nicht recht, fand aber sofort grossen Gefallen an seiner Idee ;-))

Wieder zu Hause checkte ich umgehend das Flugangebot und hatte Glück; Etihad Airline hatte ein super Schnäppchen im Angebot und so buchte ich den Flug. Nun war es also definitiv, ich vereise das erste Mal mutterseelen alleine nach Bangkok zum Christmas Shopping und dann weiter auf die Insel Phuket zum Relaxen .

Im Nachhinein muss ich gestehen, dass ich mir vor der Abreise doch ein paar Mal Gedanken darüber gemacht habe, ob ich mir nicht doch ein wenig zu viel zutraue. Der Flug war bezahlt und damit gab es an meinem Entscheid eh nichts mehr zu ändern. Mitte Dezember brachte mich Chöge dann nach Mailand an den Flughafen. Mit dem Abschied war auch das komische Gefühl wieder da und ich kam mir ziemlich verlassen vor auf dem Weg zum Gate. Ausnahmsweise hatte ich keine Lust die Duty Free Shops zu durchstöbern, auch dies ein Zeichen, dass ich für den Moment an meinem Vorhaben zweifelte….

Schon das Fliegen war ein Erlebnis für sich. Auf dem ersten Flug, sass ein älterer Italiener aus der Toscana neben mir der kaum Englisch sprach, sich jedoch auf biegen und brechen mit mir unterhalten wollte. Zum Glück war er dem Rotwein ziemlich zugetan, so dass die Kommunikation mit der Zeit einfacher und erträglicher wurde. Die Zwischenlandung in Abu Dhabi verbrachte ich in der Lounge und versuchte mich von dem doch eher anstrengenden Flug zu erholen.

Der nächste Sitznachbar war ein Araber mit Turban, in Begleitung von drei vermummten Frauen. Meine Begeisterung hielt sich auch da mehr als in Grenzen und ich versuchte demonstrativ zu schlafen. Dies klappte dann nicht wirklich. Kaum setzte ich mich ordentlich hin, begann mein Nachbar sich in hervorragendem Englisch mit mir zu unterhalten. Ich erfuhr, dass er beruflich oft in Europa unterwegs ist und auch schon in der Schweiz gearbeitet habe. Er bewundere unsere Natur und die Demokratie. Im Moment sei er mit der Familie unterwegs nach Bangkok zum Einkaufen. Das Gespräch war schlussendlich sehr interessant und unterhaltsam. Ich erfuhr einiges über die Arabischen Emirate, seine Familie und seine Reisen quer über den Globus. Er entpuppte sich als witziger, weltgewandter Gesprächspartner, so dass der Flug extrem kurzweilig war. Zum Abschied schüttelte er dann sogar meine Hand (!) und bedankte sich für die Unterhaltung. Ich muss gestehen, dass ich das eine oder andere Vorurteil auf diesem Flug abgebaut habe.

Nun war ich also in Bangkok angekommen und meine Zweifel waren zum Glück auch weg. Wie üblich organisierte ich mir erstmals eine billige SIM Karte und danach ein Taxi in die City. Kurz das Gepäck im Zimmer deponieren und dann sofort ab in die Massage. Danach zu den Garküchen etwas essen. Eigentlich war es wie immer, nur dass ich halt alleine um die Häuser ziehen musste. Meine ersten Tage in Bangkok verbrachte ich dann vor allem in den Shoppingcentern. Ich fand es toll meine Lieblingsstadt in ihrem Weihnachtskleid zu erleben. Obwohl die Buddhisten die heilige Zeit nicht kennen, glitzerte und leuchtete die Millionen Metropole vor sich hin. Man wurde überall daran erinnert, dass man sich ja eigentlich mitten in der Adventszeit befand und das in Sommerkleidung bei Aussentemperaturen von 30 Grad im Schatten und gefühlten 10 Grad in den klimatisierten Shoppingmalls. Natürlich habe ich meiner Shopping Leidenschaft freien Lauf gelassen, mir die eine oder andere SPA Behandlungen gegönnt und mich quer durch sämtliche mir bekannten Strassenküchen "gefressen". Sobald ich mich irgendwo in ein Restaurant gesetzt habe, wurde ich von irgendjemandem angesprochen. Es ergaben sich eigentlich immer witzige Unterhaltungen. Ich war erstaunt wie einfach man als Alleinreisende mit fremden Leuten ins Gespräch kommt und wie zuvorkommend man überall behandelt wird. Ich fühlte mich vom ersten Tag an pudelwohl ... Nach vier Tagen ging es dann bereits weiter nach Phuket. Am Suvarnabhumi Airport war ein ziemliches Chaos, da der Inlandflughafen aufgrund der vorhergehenden Überschwemmungen immer noch geschlossen war. Die Schlangen vor den Checkin Schaltern schienen endlos zu sein. Also begann ich mich mit einer Thai, die vor mir in der Reihe stand, zu unterhalten. Ihr Englisch war sehr gut und sie erzählte mir, dass sie in Paris wohne und im Moment auf Besuch bei ihrer Familie in Bangkok sei. Nun brauche sie jedoch ein paar Tage Ruhe und fliege nach Patong an den Strand. Eine Thai die freiwillig und alleine an den Strand fliegt. Ich war ziemlich erstaunt...

Da wir nacheinander eingecheckt hatten, sassen die Thai und und ich dann auch im Flugzeug nebeneinander. Sie stellte sich als Nipa vor und erzählte mir sie sei Ärztin und vor 20 Jahren anlässlich eines Regierungsprojekts, für fünf Jahre nach Paris in die Forschung geschickt worden. Sie habe in dieser Zeit ihren Mann kennengelernt, geheiratet und sei seither nur noch als Besucherin nach Thailand zurückgekehrt. Ihr Mann sei mit dem Sohn in den französischen Alpen am Skifahren, da sie dies jedoch einfach nicht lerne, habe sie sich entschlossen, das erste Mal ohne ihre Familie nach Thailand zu fahren. Ahaa.... wir waren also sozusagen Leidensgenossen….

Aufgrund unserer netten Unterhaltung während des Flugs entschieden wir uns auch gleich das Taxi nach Patong zu teilen und verabredeten uns während der Fahrt für den Abend. Wir gingen auf den Markt und suchten nach den Garküchen. Während des Essen erzählte Nipa, dass sie 4 Tage in Patong bleibe und dann noch für weitere 4 Tage nach Ko Lanta fahre. Wir hatten einen lustigen Abend zusammen und verbrachten auch die weiteren Tage miteinander am Strand. Am Abend gingen wir jeweils irgendwo auf einem einheimischen Markt essen, dort wo es auch die gegrillten Insekten zum Probieren gibt ;-))) Irgendwann fragte sie mich ob ich nicht Lust habe, sie nach Koh Lanta zu begleiten. Klar hatte ich, Patong war mir eh zu voll und nach Koh Lanta wollte ich schon lange mal. Also machten wir uns zusammen auf die Suche nach einer Transfermöglichkeit.

Nipa ist Mitglied der Bangkoker Oberschicht und daher gewöhnt mit einem Chauffeur herum gefahren zu werden. Ich stellte schnell fest, dass sie keine Ahnung hat, wie das Herumreisen in ihrem Land funktioniert und wie man das organisiert. Meine Travellererfahrung in Kombination mit ihrem Verhandlungsgeschick erwies sich als sensationell für unser Reisebudget. Ich lernte durch sie eine ganz neue Preispolitik kennen und wunderte mich mehr als einmal, wie viel billiger sie als Thai alles bekommt. Obwohl Südostasien für uns Europäer schon extrem billig ist, erstaunt es dann doch, wie viel mehr wir doch immer noch bezahlen. Nun verstehe ich das Jammern der Expats um einiges besser. Es macht dann halt schon einen Unterschied ob ich als Urlauber mit meinem Schweizer Einkommen ein paar Wochen in Thailand verbringe oder ob ich dort arbeite und mit einem thailändischen Lohn über die Runden kommen muss. Denn die Thais machen bei den Preisen für die Ausländer keinen Unterschied. Farrang ist Farrang und die haben alle Geld, also können sie auch höhere Preise bezahlen, egal ob einer schon 20 Jahre im Land wohnt oder nicht ....

Die schnellste aber auch teuerste Möglichkeit um nach Koh Lanta zu kommen, wäre mit dem Speedboot gewesen. Nipa bestand jedoch darauf, die günstigere Variante mit dem Minibus zu buchen. Diesen Preis handelte sie dann nochmals um einen Drittel runter. Die Thai im Traveloffice jammerte schon lange, sie verdiene an diesem Preis nichts mehr. Nipa war happy und mir schwante Böses. Wir erhielten einen Voucher und sollten am nächsten Tag direkt bei unseren Hotels von einem Minibus abgeholt werden. Dieser traf dann auch mit einer Stunde Verspätung ein und war wie nicht anders erwartet, bis unters Dach vollgestopft mit Touristen. Die Türe ging auf und als erstes stieg die französisch schimpfende Nipa aus. Ich musste lachen und versuchte ihr zu erklären, dass dies normal sei. Je billiger der Preis, desto unkomfortabler die Reise und je mehr Überraschungen warten auf einem. Bevor der Bus sich wieder in Bewegung setzte wurden alle Insassen mit farbigen Kleber versehen auf denen unterschiedliche Destinationen angegeben waren. Die meisten wurden mit Samui angeschrieben und bei mir gingen sofort alle Alarmglocken los. Es kam wie es musste, nach einer halben Stunde Fahrt wurden Nipa und ich mitten auf dem Highway ausgeladen. Wir sollten auf den Localbus warten, der irgendwann in der nächsten Zeit vorbeifahren würde. Der kam dann auch und war noch voller als der erste, jedoch war ich nun die einzige Farrang im Bus. Super lustig, he he.... ich ärgerte mich, dass ich Nipa ihren Willen gelassen habe, da ich ja eigentlich genau wusste was uns erwarten würde.

Die Fahrt dauerte vier lange Stunden und mir schmerzten sämtliche Glieder als wir endlich am Pier mit einer uralten Fähre ankamen. Diese fuhr dann auch erst los als sie mehr als überladen war. Wir waren bei der Ankunft erst das zweite Auto, also mussten wir eine weitere Stunde in der Mittagshitze warten bis es weiter ging. Endlich auf der Insel angekommen, wurden wir irgendwo in der Prärie ausgeladen und mussten selber schauen, wie wir an unseren Strand kommen. Nun erwies es sich einmal mehr als grosser Vorteil, dass Nipa eine Thai ist, Sie wuselte herum und kam irgendwann mit einem Pickup und Fahrer zurück, der uns dann auch für kleines Geld quer über die Insel gefahren hat. Wir brauchten schlussendlich mehr als sieben Stunden bis wir endlich in unserem Resort angekommen sind, das Boot hätte drei Stunden gebraucht und nur ca 400 Bath (ca CHF 12.00) mehr gekostet. Ich denke Nipa hat auf dieser Fahrt auch so einiges dazu gelernt. Aber eigentlich ist es ja genau das Unvorhergesehene, welches das Herumreisen zum Abenteur macht und deshalb liebe ich es ja auch so ;-))


Koh Lanta gefiel mir auf Anhieb. Die Insel ist noch sehr ruhig und beschaulich, es herrscht dort noch fast Backpackerstimmung, also genau mein Ding.... Die Tage verbrachten wir an einsamen Stränden und die Nächte an stimmungsvollen Bars. Nipa weigerte sich grundsätzlich in irgendwelchen Touristenrestaurants zu essen, da diese viel zu teuer seien und das Essen nicht schmecke. Zum Verständnis, was für mich bis anhin Strassenküchen waren, bezeichnete sie als Farrangrestaurants. Die typischen Thairestaurant befinden sich immer ausserhalb der Touristenzonen, da sich Einheimische die Mieten in den Zentren gar nicht leisten können. So mussten wir jeweils einen längeren Fussmarsch in der Hitze machen, bis sie ein thailändisches Restaurant fand das ihr passte. Ich habe in Schuppen gegessen, in die ich mich alleine nie rein getraut hätte. Die Tage mit Nipa waren für mich eine kulinarische Reise höchsten Grades und ich bin im Nachhinein froh, dass ich diese ganzen Torturen mitgemacht habe. Chöge kann sich auf etwas gefasst machen, wenn wir das nächste Mal wieder zusammen unterwegs sind, denn nun weiss ich auf was man schauen muss und wie ich als Farrang bestellen kann, auch wenn die Leute kein Englisch sprechen.

Auch sonst habe ich einiges bezüglich asiatischer Kultur und Traditionen dazu gelernt. Es war höchst spannend mit Nipa über ihr Land und dessen Fortschritt zu diskutieren. Sie sagt, sie sehe vieles aufgrund ihres Lebens in Europa mit dem nötigen Abstand. Die Thais seien zu eine Gesellschaft von Materialisten geworden, die ihre Wurzeln und ihre Traditionen immer mehr vergessen würden. Ich habe auch viel über die Rolle der Frau in der thailändischen Kultur gelernt und verstehe nun auch hier viele Sachen um einiges besser. Alles in allem war dies eine wunderbare Begegnung und ich bin froh, dass ich mich darauf eingelassen habe. Schweren Herzens habe ich mich dann irgendwann von Nipa getrennt. Sie flog zurück zur Ihrer Familie in Bangkok und für mich hiess es zurückkehren nach Patong ins Touristenmekka.

Für die Rückkehr, habe ich dann allerdings das Speedboat gebucht und die Reise war wie erwartet, um vieles kürzer und vor allem auch um einiges komfortabler. Meine letzten Tage verbrachte ich wie ursprünglich geplant in Patong. Dies war für mich nach der Ruhe von Koh Lanta jedoch ziemlich anstrengend, da mittlerweile Weihnachtsferien waren und die Hotels aus allen Nähten platzten. Auch die Strände glichen grossen Fleischmärkten. Trotzdem hatte ich auch hier noch ein paar witzige Begegnungen mit Urlaubern aus der ganzen Welt. Zudem war inzwischen auch Wyss Tom eingetroffen und er schaffte es tatsächlich die meiste Zeit, mich an den Strand zu begleiten ;-)
Meine Egoferien waren für mich eine unbezahlbare Erfahrung. Für mich war es die Bestätigung, dass ich alleine auch sehr gut zurecht komme. Ich hatte viele witzige Begegnungen und habe dabei keine einzige schlechte Erfahrung gemacht. Ich bin auch froh, dass ich mich bei der Begegnung mit Nipa, auf meinen Bauch und nicht den Verstand verlassen habe. Denn eigentlich ist es nicht unbedenklich, sich mit einer Einheimischen, solange ein Zimmer ohne Safe zu teilen und es hätte brutal in die Hose gehen können. Man hört da die wildesten Geschichten, was sich die Leute alles einfallen lassen, um die Touristen abzuzocken, aber manchmal zahlt es sich halt auch aus, ein Risiko einzugehen.

Zweifellos hat mir Chöge auch gefehlt und ich habe ein kleines Vermögen vertelefoniert, weil ich ihm unbedingt von meinen Erlebnissen und Abenteuern berichten musste. Dementsprechend freue ich mich nun auf unser nächstes gemeinsames Abenteuer. Im Mai steht Kuba, Chöges grosser Favorit, auf dem Programm. Auf uns wartet also ein neuer, unbekannter Kontinent. Wir sind gespannt auf das sozialistische Land, zwischen Gestern und Morgen oder besser gesagt zwischen Marx und Markt. Auf Kuba wird fast alles vom Staat kontrolliert und das Land leidet deutlich unter jahrelanger staatlicher Fehlplanungen, den sinkenden Zucker- und Nickelpreisen und seit 1961 unter einem US-Embargo, welches auch für die katastrophale Wirtschaftslage verantwortlich gemacht wird.
Dafür gibt es schneeweisse Strände, türkisfarbenes Meer, Salsa, Zigarren, Mojitos, noch fast keinen Massentourismus und eine lebensfrohe Bevölkerung die sich offenbar nicht klein kriegen lässt. Wir werden es erleben und darüber berichten, wenigstens so gut es geht, denn in Kuba scheint auch das Internet unter staatlich Kontrolle zu sein.... auf bald aus Kuba!

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